Binz, das Kurhaus, die Seebrücke -

und die „Villa Amanda“


Das Dorf Binz wird erstmals 1318 erwähnt, bleibt aber bis ins 19. Jahrhundert ohne Bedeutung. Im Jahre 1825 läßt Fürst Malte zu Putbus am Strand Badekarren und Hütten für seine Gäste bauen, die dann ab 1846 auch im Jagdschloß Granitz logieren.

 

Ab ca. 1850 können die Bauern dann das vom Fürsten gepachtete Land kaufen.

 

1870 kommen dann schon 80 Gäste nach Binz, die im Gasthof „Krug“ oder in primitiven strohgedeckten Fischerhütten wohnen, in den Sommermonaten 1874 und 1875 zählt man bereits über 500. Gebadet wird nackt, was sich erst mit zunehmenden Besucherzahen ändert. 1876 entsteht als erstes Hotel in Binz  „Potenbergs Hotel“,  und die erste Verbindungsstraße zwischen Ort und Strand wird gebaut: Die Putbuser Straße. Als zweites Hotel folgt ca. 1878 „Klünders Strandhotel“ von Wilhelm Klünder auf dem Gelände des heutigen Grand-Hotels (bis August 2006: Kempinski Hotel - Bel Air), und 1884 wird Binz offiziell Badeort. Zum damaligen Zeitpunkt gibt es nur einen Bootssteg zum Anlegen kleiner Boote vor dem „Seeschloß“, mit denen Gäste von den Fährschiffen wie auf Helgoland aus- und eingebootet werden.

 

An der Strandlinie entstehen in den Folgejahren viele Hotels und Pensionen, 1893 entsteht das erste Kurhaus und der damalige Kaiserhof, 1895 wird die Strandpromenade angelegt. 1897 wird das Gemeindehaus und das Warmbad, das heutige Haus des Gastes, gebaut. Um die Jahrhundertwende werden dann getrennte Damen- und Herrenbäder am Strand errichtet, 1908 folgt ein Familienbad. In den Jahren 1903 und 1904 erhält Binz Trinkwasserversorgung, Kanalisation, ein Elektrizitätswerk und elektrisches Licht.

 

Die Putbuser Straße ist die älteste Straße von Binz. Eines der ersten Häuser dort war das „Waldhotel“ (Ecke Klünderberg, heute AWO Kinderheim) von einem Herrn Klünder, der danach dann das „Seeschloß“ baut. Nach seinem Tod wird von seiner Frau in 1904 das „Haus Klünder“ errichtet.

 

Auf dem heutigen Parkplatz der Villa Amanda befinden sich zum damaligen Zeitpunkt das Bauernhaus und die Stallungen des Bauern Dröse, der das Grundstück vom Fürsten zu Putbus erworben hat und das davorliegende Gelände landwirtschaftlich nutzt. Ca. 1896 erhält Dröse die Genehmigung, einen Vorbau, die heutige Villa Amanda, zu bauen, die von Anbeginn als Ferienhaus genutzt werden soll, jedoch wie in der damaligen Baugenehmigung vorgeschrieben „ohne Ausschank geistiger Getränke“.

 

Brötchen für die ersten Feriengäste müssen damals noch zu Pferd aus Putbus geholt werden.

 

Während in den beiden unteren Etagen die Familien ihren Urlaub verbringen, werden die mitgereisten Hausdamen im Dachgeschoß des Hauses untergebracht.

 

Ca. 1900 geht das Grundstück in den Familienbesitz von Wilhelm Holtz über, der das Vorderhaus weiterhin zur Ferienvermietung nutzt, während er im Hinterhaus, dem früheren Bauernhaus, einen Lagerraum und Werkstatt für reparaturbedürftige Strandkörbe einrichtet: Wilhelm Holtz ist bekannt als „Strandkorbkönig der Ostsee“ mit seinen 500 Strandkörben, von denen einige mit der Aufschrift „Amanda“ noch auf alten Fotos zu finden sind.

 

Im Jahr 1902/03 wird die erste 600 m lange Landungsbrücke gebaut, die in der Neujahrsnacht 1905 jedoch durch eine Sturmflut beschädigt und 1906 wieder aufgebaut wird. 1912 kommt es zu einem Brückenunglück mit 14 Toten durch Ertrinken aufgrund Einsturz eines Brückenteils. Mit dem berühmten Brückenkopf-Restaurant ist die Seebrücke jedoch ein beliebter Flanierbereich, bis sie 1942 durch Eisschollen dann völlig zerstört wird. Erst 1994 wird sie dann wieder neu aufgebaut.

 

1906 wird das Kurhaus durch einen Brand zerstört und in 1908 wieder aufgebaut.

 

1922 erfolgt der Abbruch des Herrenbades, um 1932 dann der Abbruch  des Familienbades, der letzten Badeanstalt am Strand.

 

1937 beginnen die Arbeiten am KdF-Seebad Prora, welches von Hitler als größtes Strandbad der Welt für 20 000 Urlauber geplant ist, und in Binz wird der Kurplatz neu angelegt.

 

In der „Amanda“ kostet im Jahre 1937 ein Bett bzw. ein Schlafplatz 1,50 Mark pro Nacht.

 

Die touristische Nutzung erfolgt bis zum Beginn des 2. Weltkriegs, ab 1945 wird das Haus dann wie auch alle anderen Hotels und Pensionen in Binz  mit Flüchtlingen und Umsiedlern belegt. Ohne Rücksicht auf die Architektur werden die Häuser umgebaut -  Hauptsache innen ist es schön warm!

 

Die 500 Strandkörbe müssen den Russen ausgeliefert werden, die diese auf einem Haufen zusammenstellen und verbrennen. Darüber verstirbt Wilhelm Holtz 1946, und nach dem Tod seiner Frau im Jahre 1951 geht das Eigentum an Bauern- und Ferienhaus auf die Enkelkinder Klaus und Gerda Holtz  über.

 

Bei der „Aktion Rose“ werden im Jahr 1953 Besitzer von Hotels, Pensionen und Häusern in Binz willkürlich kriminalisiert, verhaftet und enteignet. 1956 übernimmt der FDGB ( Freier Deutscher Gewerkschaftsbund ) das Haus „Seeschloß“ als erstes Ferienheim, weitere folgen.

 

Im Mai 1961 geht Gerda Holtz in den Westen, aufgrunddessen dann nach dem Mauerbau am 13. August 1961 eine Teilenteignung ihres hälftigen Anteils an Grund und Boden erfolgt. Aber auch Klaus Holtz besitzt keinerlei Verfügungsgewalt mehr über die ihm verbleibenden restlichen 50 %.  Erst nach der Wende erfolgt auf Antrag die Rückübertragung bzw. die Verfügungsgewalt für Klaus (1992) und Gerda Holtz (1993). In der Zwischenzeit ist das Bauernhaus abgebrannt (ca. 1982), und auf der alten Fläche sind einige Schuppen errichtet worden.

 

Anfang der neunziger Jahre ist das Haus voll vermietet zu einem Preis von DM 2,10 Kaltmiete pro qm, und die alten DDR-Mietverträge gelten aufgrund des Einigungsvertrages weiter.

 

Trotzdem kann das arg sanierungsbedürftige Haus dann mit nur noch zwei restlichen Mietern 1996/97 an Bauträger Ulrich Busch veräußert werden, der das Objekt 1998 von Grund auf saniert und an die jetzigen neun Teileigentümer verkauft.

 

Seit 1999 werden die Wohnungen nun wieder von den einzelnen Eigentümern als Ferienwohnungen  genutzt und vermietet.

 

Im Jahr 2000 wird das Haus des Gastes eröffnet, in 2001 dann das neusanierte Kurhaus mit dem neuerbauten Kaiserhof fertiggestellt, in 2002 entsteht der Kurpark völlig neu -
und in 2003 wird die Schmachter See-Promenade mit dem Park der Sinne eingeweiht.

Mit der Neugestaltung der "Hauptstraße" zur Fußgängerzone in 2005 - 2007 erhält das Zentrum von Binz ein neues modernes Zentrum.

 

Die Strandpromenade wurde in 2011 umfassend erneuert und erweitert!

 

 

 

Binz ist wieder zum größten und exclusivsten Ostseebad Rügens und zu einem der schönsten Seebäder an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns auferstanden -

 

 

und seit Fertigstellung der Ostseeautobahn A 20  und der Stralsund-Umgehung sowie der zusätzlichen zweiten Rügenanbindung wird ein Besuch Deutschlands größter Insel nun noch einfacher und schöner ...

 

 

 


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