Fröhliches Strandleben im 19. Jahrhundert:

Sommerfrische an der Ostsee ...


 

Man schrieb das Jahr 1789, als Herzog Friedrich Franz I. eine für die Zukunft der Ostseeküste wegweisende Entscheidung traf. Er machte den frisch an die Rostocker Universität berufenen Mediziner Dr. Samuel Gottlieb Vogel zu seinem Leibarzt. Der Professor hatte bereits in England die heilende Wirkung des Seewassers studiert und verordnete dem kränkelnden Adligen sogleich Bäder in der offenen See. Ein bis dato völlig unbekanntes Ereignis hielt Einzug an der Küste. Natürlich sprang der Herzog nicht spontan in die Fluten und erst recht nicht nackt. Mit einer Badekutsche ließ er sich ins Wasser hinausfahren und stieg bekleidet von einem kleinen Treppchen ins Nass. So spielte sich das neue Badevergnügen noch einige Jahrzehnte ab. Streng genommen war es auch kein Vergnügen, sondern ein Dienst an der Gesundheit.


 

Friedrich Franz  ließ sich schon bald ein Badehaus mit beheiztem Meerwasser-Schwimmbecken errichten. Das war komfortabler und auch repräsentativer. Es bildete den Grundstein für eine ganze Siedlung klassizistischer Gesellschafts- und Logierhäuser - die weiße Stadt am Meer, Heiligendamm, entstand. Schnell gaben sich europäischer Adel und Künstler ein Stelldichein. Auch Fürst Malte von Putbus  von Rügen war darunter. Sofort wurde ihm klar, was auf seiner Insel fehlte: Der Putbuser Circus, ein kreisrunder Platz mit Obelisk und schneeweißen Häusern, darunter Theater, Kursaal, Orangerie und Marstall wurde errichtet. Am Strand von Lauterbach entstand ein Badehaus mit toskanischen Säulen aus italienischem Marmor. An diesen Orten blieb die feine Gesellschaft unter sich.


 

Das Bürgertum entdeckte das Fischerdorf Warnemünde, die Aristokratie Heringsdorf auf Usedom. In Zinnowitz begann das Badeleben, Sassnitz auf Rügen empfing seine ersten Gäste. Erst als mit der Reichsgründung 1871 die Wirtschaft und der Eisenbahnbau boomte, kam der Bädertourismus so richtig in Schwung. Während auf Fischland-Darß  und Hiddensee  Ursprünglichkeit und Bescheidenheit groß geschrieben wurden, baute man auf Rügen  und Usedom,  um sich in Szene zu setzen. Erlaubt war alles, und so entstand der bunte Mix, der die Bäderstilarchitektur heute kennzeichnet. Elemente von griechischen Tempeln, Burgen, alpenländischen Holzhäusern, von Neobarock, Gotik und Jugendstil fanden sich friedlich vereint. Hauptsache die Villen wahrend strahlend hell und hatten einen mit Holzschnitzereien verzierten Balkon oder eine Loggia.


 

Eine Schlüsselposition hatten auch  Seebrücke und Strandpromenade  inne. Hier spielte sich das gesellschaftliche Leben ab. Allein die Aussicht, womöglich den Kaiser zu sehen, war manch einem Reisegrund genug! Das Kurhaus war eines der wichtigsten Gebäude, es mußte über einen "Conversationsraum", ein "Tabakcabinett", einen Billiardsaal, einen Spielsalon, eine Leihbibliothek und einen großen Speisesaal verfügen. Am Nachmittag fanden hier Tanztees statt und an einigen Abenden "Tanz-Réunions" in festlicher Aufmachung. Tagsüber spazierte man in korrekter Straßenkleidung auf und ab, die Damen sonnenschirmbewehrt, trieb Konversation, betrachtete ein wenig gelangweilt das pittoreske Treiben der einheimischen Fischer und ließ sich gelegentlich das Fernrohr reichen, um sein Auge auf der Suche nach Passagierdampfern am Horizont zu ermatten. Morgens diente der Strand zum Ausritt und nachmittags als Ausgangs- und Endpunkt für eine Bootstour.


 

Es galt eine strenge Kleiderordnung. Die Leipziger "Illustrierte Zeitung" schrieb 1900: "In allen größeren Badeorten pflegt die Damenwelt sehr auf elegante Toilette zu halten, und namentlich werden Zuschnitt und Machart der Kleider gegenseitig stets mit besonders kritischem Blick geprüft." Für die Morgenpromenade empfahl die Zeitung ein Jackenkostüm aus kaffeebraunem Sommertuch mit schöner gleichfarbiger Kordelstickerei, für Körperübungen das Sportkostüm "Seekadett" und als "Lawndress" einen mehrteiligen Faltenrock und Bluse mit Matrosenkragen, als Radfahrkostüm einen rückwärts geteilten Rock und kurzen Bolero aus schwerem Stoff, der bei schneller Bewegung möglichst wenig fliegt. Zum Baden wurden Badehauben, Bade-Pantoffeln mit Linoleumsohle und sogar Schwimmhandschuhe angeboten.


 

Mit zunehmender Zahl an Erholungssuchenden avancierte der Strand zum eigentlichen Ort des Geschehens. Dazu trug nicht unwesentlich ein völlig neues Sitzmöbel bei, das 1882 für eine ältere, vom Rheuma geplagte Dame von einem Rostocker Korbmacher zum Schutz gegen Wind und Sonne gebaut wurde - der Strandkorb war geboren und machte Karriere. Sandburgen wurden errichtet, die Badeanzüge immer kürzer und die Sitten immer lockerer. Daß es auch einmal "textilfrei" gehen würde, konnte sich damals sicher noch keiner vorstellen.


 

 

Heute gilt das Motto "Erlaubt ist, was gefällt" ...
( Reisezeit April 2003, Travel Charme Hotels )

 

 

 

 

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